Social Commerce im zweiten Frühling

Ohne das Mobile geht gar nichts mehr. Immer häufiger werden mobile Endgeräte nicht nur für Unterhaltung und Kommunikation, sondern auch für Kaufprozesse genutzt. Eine Vielzahl von Konsumenten kauft nicht nur von Zuhause aus übers Smartphone oder Tablet ein, sondern auch immer häufiger von unterwegs (entsprechende Zahlen haben wir im Post „Mobile Commerce weiter im Aufwind“ zusammengefasst). In diesem Zusammenhang spannend sind die von Google Anfang Juli angekündigten Anpassungen für Mobile Shopping, darunter sogenannte „Deep Links“ in Mobile Apps und ein „Buy Button“. Wir haben dies zum Anlass genommen, den Stand bei den verbreitetsten Social Media-Plattformen zu analysieren, denn auch Facebook, Pinterest und Twitter beschäftigen sich seit einiger Zeit mit der Thematik „Buy Button“.

Google testet derzeit die Kauffunktion für das Smartphone in den USA . Grund dafür ist, dass wegen der zunehmenden Nutzung des Smartphones die Einnahmen von Google sinken. Problem ist, dass die Anzeigen, welche in der Suchmaschine geschaltet werden können, aus Platzgründen nicht optimal auf mobilen Endgeräten dargestellt werden. Auf dem Smartphone kommen deshalb besonders Anzeigen mit Bildern in Frage, welche für die Werbenden allerdings teurer sind. Ein Kaufbutton wäre also ein Service an die Werbenden. Google will auf die getätigten Einkäufe per „Buy Button“ keine Provision verlangen, die Onlineshops bezahlen lediglich für die Anzahl Klicks auf den Anzeigen.
Vorteil ist, dass dem Google-Nutzer mit einem Klick auf den Buy-Button der Weg auf die Seite des Onlineshops erspart wird. Er wird von Google direkt auf die Hauseigene Shop-Seite geführt, wo er die gewünschte Farbe und Grösse des Produkts auswählen kann. Die Zahlung wird über ein Pop-up-Fenster abgewickelt. Zahlungsinformationen und Adresse will der Suche-Riese speichern, der Versand selbst wird nach wie vor vom Onlineshop organisiert.

Zum aktuellen Zeitpunkt wurde der Button nur für spezifizierte US-Brands freigeschaltet. Eine erweiterte Markteinführung ist für Ende 2015/Anfang 2016 geplant. Mit dem «Buy Button» versucht Google, gegenüber dem Riesen im Online-Handel zu punkten. Denn zum Beispiel in den USA kaufen wesentlich mehr Nutzer per Amazon. Ebenfalls vermindern die Apps der einzelnen Anbieter die User-Zahl von Google.

Auch Pinterest zieht mit der Idee eines Buy-Button nach. Überraschenderweise, will das Portal mit dem Button jedoch vorerst keine Einnahmen machen. Das Feature launcht aktuell in den USA mit ausgewählten Händlern. Zunächst können nur iPhone- und iPad- Nutzer von dem Feature profitieren.
Im gesamten funktioniert das System mit dem Buy-Button gleich wie bei Google. Mit betätigen des Buttons, wird der Käufer dazu aufgefordert, die Produktdetails anzuwählen, seine Zahlungs- und Versanddaten anzugeben und schon ist der Kauf abgeschlossen. Kunden können auch beim Stöbern den Artikel vorerst „Pin it“, falls sie noch ein wenig stöbern möchten.

Die Zahlungsabwicklung läuft über den Payment- Anbieter Stripe. Bezahlt werden kann mit Apple Pay oder Kreditkarte. Derzeit ist Pinterest an der Ausarbeitung die Funktion auch für Android User und Nutzer ausserhalb der USA zugänglich zu machen. Auf der Plattform gibt es 50 Milliarden Pins auf mehr als 1 Milliarde Pinnwänden. 80 Prozent des Traffics wird über mobile Geräte generiert.

Ebenfalls lässt sich Twitter den neuen Hype nicht entgehen. Der Buy-Button ermöglicht den Twitter-User Produkte zu entdecken und Bestellungen, wie bei Pinterest und Google, in nur wenigen Klicks zu tätigen. Dies funktioniert auch bei der Twitter App für iOS und Android. Nach dem betätigen des Buttons bekommt der Nutzer eine Vorschau aller Produktdetails und kann seine Liefer- und Zahlungsinformationen erfassen. Wenn er diese Informationen erfasst hat, wird die Bestellung an den Lieferant für den Versand weitergeleitet. Twitter hat sich geäussert, dass diese Informationen sicher verwahrt werden und sie keine Kreditkarteninformationen mit dem Lieferant teilen. Nach der ersten Bestellung, muss der Nutzer seine Liefer- und Zahlungsinformationen nicht wieder angeben, da diese in seinem Account gespeichert werden – er kann diese auch jederzeit wieder löschen.

Bereits Ende des letzten Jahres hat das Network den Button eingeführt. Aktuell ist Twitter dabei, Shopify und andere E-Commerce-Dienstleister einzubinden. Das soll ein wesentlich größeres Spektrum von großen wie kleinen Firmen dazu bringen, ihre Angebote mittels Buy-Buttons bei Twitter zu unterbreiten. Allein Shopify kann auf rund 100.000 Händler in den USA verweisen, die seine Online-Shop-Software nutzen. Durch die Zusammenarbeit mit Twitter könnten diese Anbieter ihre Waren in Zukunft auch über Kauf-Buttons in Tweets anbieten.
Twitter experimentiert nicht zum ersten Mal mit Shopping-Funktionen. Seit Mai 2014 bietet es eine Einkaufsmöglichkeit in Partnerschaft mit amazon.com an: Twitter-Nutzer können in Tweets verlinkte Amazon-Produkte in ihren Amazon-Einkaufswagen legen, ohne das Social Network zu verlassen. Sie müssen dafür natürlich ihre Konten verbinden – und den jeweiligen Tweet mit dem Hashtag #AmazonCart beantworten. Für den eigentlichen Kauf müssen sie später allerdings zu Amazon wechseln.

Ebenfalls an der Spitze befindet sich Facebook, welches den Buy-Button in der USA Anfang dieses Jahres eingeführt und die Funktion im Februar auch für Europa freigeschaltet hat. Firmen mit einer Facebook Page, haben nun die Möglichkeit zwischen fünf Features auszuwählen. Für Werbeanzeigen können nun die Buttons Shop Now, Book Now, Contact us, Use App, Play Game, Shop Now, Sign up und Watch Videos, freigeschaltet werden.

Wenn der „Shop Now“ Button ausgewählt wird kann der Administrator hinterlegen, mit welcher Website dieser verlinkt werden soll. So kann der Facebook-User direkt zur allgemeinen Übersicht des Online-Shops des Anbieters oder auch gleich zu einem spezifischen Produkt geleitet werden.

Bei jeder neuen Anzeige muss erst ein Ziel für die Werbeanzeige ausgewählt werden. Es stehen zur Auswahl „Klicks auf die Website und „Webseiten-Conversions“. Auch bietet eine solche Anzeige die Möglichkeit Bilder mit einzubeziehen, welche die Aufmerksamkeit der User auf sich zieht.

Das Konzept hinter dem „Jetzt kaufen“ Button bei Facebook funktioniert ein wenig anders als bei Google, Twitter und Pinterest. Der Nutzer wird auf die Website des Lieferanten verwiesen und muss wie gewohnt seine Angaben immer wieder neu eingeben. Vorteil davon ist, dass der direkte Kundenkontakt zwischen Anbieter und Konsument bestehen bleibt und auch zusätzliche Dienstleistungen wie z.B. Garantieangebote bezogen werden können, welche über die anderen Portale meist nicht zur Auswahl stehen. Facebook könnte dadurch jedoch auch im Nachteil sein, da die Lösungen der anderen Plattformen aus Kundensicht komfortabler gestaltet sind.

Fazit

Im kurzen Überblick sind Twitter und Facebook mit der Einführung des Buttons Ende letzten Jahres und Anfang dieses Jahres allen voran. Was die Funktionalität betrifft befindet sich die Socialmedia-Plattform Facebook jedoch im Nachteil den anderen gegenüber, da Sie keinen Direktkauf über ihre eigene Website anbieten. Bei Pinterest, Twitter und Google ist der direkte Kauf für den User möglich, jedoch nur unter der Bedingung, dass Sie ihre persönlichen Daten, wie Adresse und Zahlungsinformationen, den Plattformen preisgeben. Zu dieser Thematik haben sich bereits einige Diskussionen angebahnt.
Einige äussert sich, dass der Kauf-Knopf gerade für die Neukundengewinnung und als ergänzender Absatzkanal zum Onlineshop interessant sei. Am neuen Kaufkonzept gibt es aber auch Kritik: Um Nutzern das Zahlen zu ermöglichen, speichert der Konzern Konto- und Lieferinformationen. So kommt er zu noch mehr Daten über seine Nutzer. Bereits jetzt steht Google Shopping – worauf der «Buy Button» aufbaut – heftig in der Kritik. Die EU-Kommission wirft Google vor, seine Produkt-Suche mit bezahlten Anzeigen bevorzugt zu platzieren. Kritiker vieler Parteien fordern, dass das Geschäft der Suchmaschine von den anderen «kommerziellen Dienstleistungen» getrennt wird. Denn mit der jetzigen Mischform betreibe das Unternehmen Machtmissbrauch.
Auch für Onlineshops könnte das neue Feature einen grossen Nachteil mit sich ziehen, wenn der Kauf direkt über die Social Platform stattfindet und nicht mehr über den eigenen Webshop läuft. Dabei können bei bestimmten Produkten Extradienstleistungen und somit auch Umsatz ausfallen. Generell könnte es für Onlineshops schwieriger werden, eine Beziehung zum Kunden aufzubauen. Im schlimmsten Fall seien sich die Käufer nicht mehr bewusst, auf welchem Shop sie einkaufen und kehren auch entsprechend seltener zurück. Auf der Google-Bezahlseite sollen zwar weitere Produkte des gleichen Händlers angezeigt werden, ob dies die gleiche verkaufsfördernde Wirkung hätte, wie das Surfen auf der Webseite, ist unklar. Lieferanten sollten sich überlegen, wie sie künftig ihre Kundenpflege gestalten möchten.

Nun sind wir gespannt auf die Einführung der Buy-Buttons in der Schweiz, wie sich die Umsätze verschieben und wie viele Unternehmen die neuen Features nutzen werden.