Commerce Code Talks Berlin 2017 – Unsere Eindrücke

Die Commerce Code Talks in Berlin ist eine der wenigen Konferenzen im Kontext E-Commerce, die Vendor-unabhängig ist und sich auf das Engineering von Digital Commerce fokussiert. In zwei Tagen und knapp 70 Talks gibt es vertiefte Einblicke in Software-Lösungen, Entwicklungsabteilungen und Lösungsansätze zu den vielfältigen Aspekten rund um Digital Commerce. Die Konferenz richtet sich längst nicht nur an Architekten und Entwickler, sondern beinhaltet auch Themen wie Organisation, Marketing etc. Dieser Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die diesjährige Ausgabe aus der Teilnehmerperspektive.

Microservices Code TalksWie bereits letztes Jahr waren Microservice-basierte Architekturen auch diesmal ein schwergewichtiges Thema – wenn auch weniger ausgeprägt. Interessant waren die unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema, ebenso wie die Berichte aus erster Hand von jenen, die die Migration in Angriff genommen oder bereits gemacht haben. Dass sich die Meinungen zum Thema Microservices (noch) scheiden, zeigte folgendes Beispiel:  Während ein Vertreter von Commerce Tools in seinem Talk die Microservice-Revolution im E-Commerce als unausweichlich darstellte, relativierte der Speaker von Intershop diese Sicht in seiner Präsentation, indem er auf die Integrationsbedürfnisse im Connected Commerce einging und den Blick in eine Zukunft wagte, in welcher Devices wie Amazon’s Alexa oder Google Home (und das Internet-of-Things im Allgemeinen) eine grosse Rolle spielen.

Wie gut Microservice-Architekturen geeignet sind schnelle Entwicklungszyklen zu ermöglichen, zeigte der Talk von Guido Steinacker von Otto.de zum Thema Continuous Deployment. Continuous Deployment heisst bei Otto tatsächlich, dass jeder Commit automatisch, ohne weitere menschliche Kontrolle, live gestellt wird, sofern die umfangreichen, automatisch durchgeführten Tests erfolgreich waren. Fazit aus diesem und weiteren Talks von Otto-Vertretern: wenn Organisation, System-Architektur und Entwicklungs-/QS-Prozesse aufeinander abgestimmt sind, ist ein sehr beeindruckender Level von Automatisierung möglich mit allen damit verbundenen Vorteilen, insbesondere einer unglaublich hohen Kadenz, mit der neue Features ausgerollt werden können (tiefere Einblicke gibt übrigens der Tech-Blog von Otto). Was wir mit nach Hause genommen haben, sind konkrete Inputs, wie wir unser Testing und unsere QS weiter verbessern und automatisieren können. Dass solche Lösungen auch umfangreiche Logging- und Monitoring-Lösungen erfordern, versteht sich dabei von selbst – auch hier konnten wir ein paar sehr wertvolle Punkte mitnehmen, welche in die kontinuierliche Verbesserung unserer Lösung einfliessen werden.

„Wirklich beeindruckend ist, mit welcher Konsequenz und in welchem Umfang Firmen in Informationstechnologien investieren, um die Nase vorne zu haben.“

In diesem Jahr waren aufstrebende Start-ups wie HelloFresh, AboutYou oder Outfittery stärker vertreten, was einen Touch Sillicon Valley-Atmosphäre vermittelte und vor allem auch demonstrierte, wie international diese Player unterwegs sind. Dass Zalando gross ist, wussten wir. Dennoch war es eindrücklich, von der Head of Engineering aktuelle Zahlen zum Recruiting bei Zalando präsentiert zu bekommen.

„Die Diskrepanz zu dem, was klassische Händler teilweise noch unter Digital Marketing verstehen, könnte nicht grösser sein.“

Wirklich beeindruckend ist aber, an konkreten Beispielen vorgeführt zu bekommen, mit welcher Konsequenz und in welchem Umfang diese Firmen in Informationstechnologien investieren, um die Nase vorne zu haben. Ein schönes Beispiel dafür war der Talk zur Marketing Data Pipeline bei HelloFresh, die auf einer State-of-the-Art Data Science Platform basiert und zum Ziel hat, Marketing-Aktivitäten und Promotionen in Realtime zu steuern. Die Diskrepanz zu dem, was klassische Händler teilweise noch unter Digital Marketing verstehen, könnte nicht grösser sein.
Code Talks Berlin 2017Ein anderes aufstrebendes Thema, das in Zukunft sicher noch weit mehr Gewicht bekommen wird, war Maschinelles Lernen im E-Commerce. Der Talk vom Outfittery-CTO präsentierte einen tiefen Einblick in die System-Architektur der von Outfittery eigens entwickelten Decision&Recommendation Engine (um nicht zu sagen einen Blueprint für so eine System). Ein anderes konkretes Beispiel für die Anwendung von Machine Learning, das von einem Mitarbeiter von CommerceTools präsentiert wurde, ist die Produktkategorisierung – ein Bereich, in dem Automatisierung definitiv willkommen ist.

Unser Gesamtfazit zur Commerce Code Talks 2017 ist etwas gemischt. Einzelne Talks gaben in gewohnter Manier tiefe und sehr lehrreiche Einblicke in die Werkstatt von führenden E-Commerce-Anbietern. Teilweise war schon überraschend, wie viel Knowhow hier öffentlich präsentiert wird im Wissen, dass im Publikum auch die Konkurrenz sitzt. Für diese Art Präsentationen lohnt sich der Weg nach Berlin allemal. Allerdings gab es auch eine Reihe von Talks, die inhaltlich abfielen und primär der Selbstpromotion dienten. Es ist zu hoffen, dass die Veranstalter hier für die nächste Durchführung Gegensteuer geben. Wir sind mit wertvollen Inputs nach Hause gegangen und werden uns den Termin für die Commerce Code Talks 2018 im Kalender markieren.