CEO Insights von Adriano Zappacosta zur Standorteröffnung Berlin

Seit dem 1. November ist die advandoo mit einem Standort in Berlin vertreten. Der Geschäftsführer Adriano Zappacosta verrät, wie es zu der Gründung des neuen Standortes kam, was das Unternehmen plant und welche Herausforderung der Wachstum mit sich bringt.

Sie haben 2012 die Gründungsidee „Fokussierter Dienstleister für Digital Commerce“ auf Papier skizziert. Wie sind Sie damals gestartet?

Die Idee wurde damals tatsächlich initial auf einem Blatt Papier bei einem Kaffee zusammen mit Andreas Eggenberger (CDO und Co-Founder) skizziert. Wenn wir heute auf den ersten Entwurf des Business-Plans schauen, müssen wir zugestehen, dass sich viele Punkte anders, schneller oder nicht so entwickelt haben wie anfänglich gedacht. Wichtig ist jedoch: an der Ausrichtung professionelle Dienstleistungen im Digital Commerce für unsere Kunden zu erbringen, hat sich nichts geändert. Wir haben uns zu Beginn auf beratende und konzeptionelle Dienstleistungen fokussiert. So konnten wir die ersten Kunden aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen aus über 20 Jahren IT- & Online-Projekten gewinnen.

Wir sind damals also mit einer Idee auf Papier, mit unserer Erfahrung und dem Mut, etwas Neues aufbauen zu wollen auf grüner Wiese gestartet.

Wie hat sich die advandoo seit damals verändert?

Wir haben uns nicht komplett verändert. Aber wir haben uns merklich weiter entwickelt. So konnten wir unser ursprüngliches Dienstleistungsportfolio um die Entwicklung und den Betrieb von PIM- & E-Commerce-Lösungen erweitern. Diese Entwicklung verdanken wir unseren Kunden, die uns täglich ihr Vertrauen schenken und besonders auch dem gut eingespielten und erfahrenen Team. Wir konnten besonders in den vergangenen zwei Jahren kompetente und erfahrene Mitarbeiter gewinnen. Die Strukturen und alle Arbeitsmittel hatten wir von Beginn an so ausgelegt, dass sich eine transparente, dynamische und motivierte Kultur bilden konnte. Ohne diese wäre es heute nicht möglich, hochstehend komplexe Lösungen für mittlere und grössere Unternehmen zu realisieren.

Wir haben eine gesunde, gut ausgewogene Kundenbasis mit spannenden Projekten und einem unglaublich guten Team gebildet.

advandoo Deutschland – Wie kam es dazu?

Es ist unser Gründungsverständnis, dass die advandoo als „Plattform“ dienen soll. Einerseits eine, in der sich Mitarbeiter einbringen und entwicklen können, anderseits aber auch, um Wachstum zu ermöglichen. Deutschland als Zielmarkt ist das Ergebnis einiger Überlegungen aus den vergangenen 18 Monaten. Wir hatten in der Vergangenheit einzelne Projektanfragen aus Deutschland, ohne den Markt aktiv bearbeitet zu haben. Leider aber hatten wir bis anhin keine zufriedenstellenden „Antworten“ darauf. Unsere Software-Partner akeneo und shopware sind im deutschen Markt gut vertreten und wachsen. Das Thema „Digitalisierung“ ist sowohl in Politik als auch der Wirtschaft gut verankert. Der deutschen Wirtschaft geht es gut und Wissen und Qualität sind gesucht.

Am Ende blieb also weniger die Frage ob, sondern nur wann und wie.

Wieso gerade jetzt?

Wir haben uns in den vergangenen Jahren eine solide Ausgangslage erarbeitet. Die advandoo ist seit der Gründung profitabel, die Mitarbeiter hoch motiviert und die bestehende Kundenzufriedenheit hoch. Der Expansion nach Deutschland ist ein Investment des Erfolges der vergangenen Jahre. Kann es einen besseren Zeitpunkt geben?

Die Ausgangslage scheint also gut, aber welche Herausforderungen erwarten Sie?

Viele. advandoo Deutschland ist ein Projekt und bedeutet alle bisherigen Prozesse zu überprüfen. Das komplette Team hat im Frühling während eines Offsite das Vorhaben gemeinsam auf die Probe gestellt. Wir haben alle Unternehmensbereiche durchleuchtet. Dabei wurde allen die Projektdimensionen klar. Teilweise sind es kleine, administrative Anpassungen wie z.B. die Zeiterfassung, bis hin zu grundsätzlichen Fragen wie der Verantwortung, der Organisationsstruktur und dem Einsatz der zur Verfügung stehen Mittel.

Wachstum und Veränderung bedeuten einen Kraftakt. Um diesen zu bewältigen sind wir auf jeden einzelnen, aber auch auf zusätzliche Mitarbeiter angewiesen. So freut es mich besonders, dass wir sowohl das Marketing, das Office Management und das Entwicklungsteam weiter verstärken konnten. Die zusätzlichen Ressourcen erlauben uns, mehr Zeit in den Aufbau von Deutschland zu investieren. Auch in Deutschland wollen wir uns aus eigener Kraft entwicklen. Genau wie in der Schweiz.

Wie kam es zur Standortwahl Berlin?

Der Standort war für uns nicht nur eine geografische, wirtschaftliche oder kulturelle Frage sondern auch eine fachliche. Unternehmen die „Digitalisierung“ verstanden haben, fordern letztendlich flexiblere und individuellere Software-Lösungen. Viele digitale Business-Modelle lassen sich heute nur im Verbund von mehreren Software-Komponenten oder gar individuell entwickelten Lösungen realisieren. Die Nachfrage nach integrierten und individuelleren Lösungen steigt daher bei uns. Wir sind mittlerweile nicht nur ein Dienstleiter für Produktintegration sondern entwicklen auch eigenständige Web-Applikationen wie z.B. Produktkonfiguratoren, personalisierte Kunden- oder Mitarbeiterportale. Berlin hat in den vergangenen Jahren eine Startup-Kultur mit besonderem Fokus für das Digital Business entwickelt. Es ist mittlerweile einer der wichtigsten „Digital Hubs“ in Europa. Viele Investoren, Unternehmen und Personen aus der Software-Entwicklung siedeln sich in Berlin an. Wir sehen in Berlin also auch das Entwicklungspotenzial für unser fachliches Wissen.

Die Vorzüge von Berlin wollen wir natürlich nicht verschweigen. Es ist weltoffen, gut von Zürich aus erreichbar, die Kostenstrukturen im Vergleich zu den südlicheren Städten (noch) von Vorteil und bietet auch kulturell viel Abwechslung.

Was sind die Deutschland-Ziele für das kommende Jahr?

Unser gestecktes Ziel ist es, dass die advandoo Deutschland als eigenständige Unternehmung agiert und nicht vom Standort Schweiz abhängig ist. Wir stehen aber erst ganz am Anfang. Im Fokus für nächstes Jahr steht die Etablierung des neuen Standortes. Wir wollen als erstes Experten für die Realisierung von PIM- & Digital Commerce-Projekten gewinnen. Wir werden ein Kernteam von Software Engineers aufbauen, welches die technische Projekt-Verantwortung für die Projekte in Deutschland übernimmt. Auch in Deutschland wird es eine Herausforderung bleiben, die passenden Mitarbeiter und Fachkräfte zu finden.

Auf jeden Fall werden wir den Aufbau des Standortes mit Schweizer Ressourcen unterstützen, gerade für die Gewinnung von Neukunden. Das Neukundenpotenzial ist vorhanden und wir sind bereit, auch erste Projekte in Deutschland realisieren zu können.