Alibaba.com: nicht alles, was glänzt, ist Gold

Alibaba’s furioser Börsengang im September hat uns animiert, die Plattform Alibaba.com genauer anzuschauen und mit einem Testkauf auszuprobieren. Als erstes sind wir auf ein paar sprachliche Überraschungen gestossen, die vermutlich durch automatisierte Übersetzungen bedingt sind. Suchen Sie doch einmal in der deutschen Version nach „Körperteile“! Keine Angst, Sie werden bei Autoteilen landen. Neben diesen mit (unfreiwilligem) Humor gut zu meisternden Herausforderungen sind wir aber auch auf ein paar ernsthafte Fallstricke gestossen.

Als Objekt für unseren Test haben wir uns ein Trendprodukt des chinesischen Herstellers Xiaomi ausgesucht: einen portablen Akku namens „Xiaomi Powerbank 10400mAh“. Zu diesem Zeitpunkt war dieses Produkt auch bei namhaften Schweizer Online-Händlern erhältlich. Wie von Alibaba empfohlen haben wir uns einen verifizierten Anbieter ausgesucht, der sowohl „Gold-Partner“ ist wie auch „von Alibaba-Mitarbeitern vor Ort“ geprüft wurde. Mit grosser Zuversicht stellten wir deshalb eine Anfrage für ein Testmodell, welche auch prompt und positiv beantwortet wurde. Für 59 US$ würde uns der Anbieter zwei Testmodelle zustellen, die Abwicklung der Bestellung und Zahlung sollte aber nicht mehr über Alibaba erfolgen sondern per Email und Western Union. Der Anbieter meinte noch, er spare sich so einige Gebühren. Aha… Nach erfolgter Überweisung wurde das Paket wenige Tage später abgeschickt unter Angabe einer Tracking-Nummer der Niederländischen Post. 10 Tage später erreichte das Paket sein Ziel.

Nach diesem positiven Auftakt waren wir natürlich auf den Inhalt gespannt. Auf den ersten Blick machten die verpackten Powerbanks in Gold und Silber einen guten Eindruck. Erst auf den zweiten Blick wurden Ungenauigkeiten in der Verpackung und der Verarbeitung der Produkte sichtbar. Misstrauisch geworden machten wir uns im Internet auf die Suche nach Vergleichsmöglichkeiten und stiessen bald auf eine Website des Hersteller Xiaomi. Auch wenn wir den chinesischen Erläuterungen im zugehörigen Video nur oberflächlich folgen konnten, wurde klar ersichtlich, dass wir offenbar keine originalen Produkte erhalten haben, und dass Fälschungen des von uns bestellten Produkts für den Hersteller ein schwerwiegendes Problem darstellen. In der Zwischenzeit ist dasselbe Produkt auch bei den eingangs erwähnten Schweizer Online-Händlern nicht mehr erhältlich.

Da wir die Zahlung an Alibaba vorbei abgewickelt haben, ohne deren Escrow-Service in Anspruch zu nehmen, stehen die Chancen schlecht, dass wir die Produkte gegen Entschädigung retournieren können. Alibaba würde ausserdem die Durchführung von Inspektionen vor Ort durch Drittanbieter anbieten, was sich für Kleinstbestellungen jedoch nicht rechnet. Wie der Test gezeigt hat sind die von Alibaba etablierten eigenen Gütesiegel zu den Lieferanten in Realität keine Garantie für die Echtheit der bestellten Produkte. Um den Zugang zum Markt der chinesischen Anbieter wirklich vertrauenswürdig zu gestalten, muss sich Alibaba wesentlich wirksamere Mechanismen einfallen lassen. Andere E-Commerce Plattformen wie Amazon, Ebay oder Ricardo haben dieses Problem durch ein Bewertungssystem gelöst, das in der Praxis sehr gut funktioniert. Es wird interessant sein, zu beobachten wie sich Alibaba diesbezüglich entwickeln wird. Die Notwendigkeit dazu besteht auch dann, wenn sich Alibaba primär als Eingangstor für ausländische Anbieter zu den chinesischen Konsumenten positioniert, denn auch chinesische Konsumenten müssen Vertrauen aufbauen können, bevor sie online einkaufen.

Haben Sie Erfahrungen mit Alibaba.com? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.

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